Radwege in Vlotho: zentrale Achse bauen

Ein Gastbeitrag zur aktuellen Fahrradweg-Situation in der Vlothoer Innenstadt.

letzte Aktualisierung 18.03.2019

Vlotho ist Fahrradstadt

Ein existierendes Netzwerk verbindet Vlotho bereits mit umliegenden Regionen

Gern wird behauptet, dass die Topografie eine Nutzung von Fahrrädern weitestgehend verhindert. Schaut man sich die bereits exitierenden Wege an, so sieht man, dass diese Ansicht nicht zu vertreten ist.

Zur Erläuterung: bestehende Fahrradwege (blau) verbinden Vlotho wie ein Spinnennetz mit der Umgebung. Einige wichtige wurden hier stellvertretend ausgewählt. In der Kernzone (rot markiert) fehlt die nötige Fahrrad-Infrastruktur. (Man kann in die Karte hineinscrollen)

Linkempfehlung für alternative Karte: Radverkehrsnetz NRW – hier kann man mal reinzoomen und sich einen Überblick aus NRW-Sicht bilden


Problem: Alle bestehenden Radwege enden vor Vlothos Zentrum

In Aussenbereichen Vlothos wurden Radwege an vielbefahrenenen Landstraßen errichtet. Motivation war damals fast ausschliesslich der Schutz des Fahrradfahrenden vor den Autos. Hinzu kam die freizeitliche Nutzung in Form von Themenwegen (Weserradweg etc.). In der heutigen Zeit sind Menschen gewohnt, auf eigenen Fahrradwegen zu fahren. Sie erwarten auch in Stadtzentren klare, eindeutige, sichere Radwegeverbindungen

Spätestens hier an der Bonneberger Str. endet jede Radwegverbindung aus Exter, Herford, Bad Salzuflen etc.

Die innerstädtische Infrastruktur basiert noch auf dem Planungssstand der 1960er/70er Jahren. Die Berücksichtigung von Fahrradfahrenden war vor 50 Jahren noch unbekannt. Im Talverlauf zwischen Amthausberg und Winterberg gleicht eine Fahrradtour deshalb einem Hindernis-Lauf.

Welche Ziele sollten erreicht werden?

  • eine Verknüpfungachse im Tal zwischen Amthausberg und Winterberg
  • ein Lückenschluss vorhandener Radwege
  • komfortables selbstverständliches Radfahren zwischen Wohnen, Einkaufen, Arbeiten
  • sichere Schulwege (auch wenn Schulen in Vlotho gern in höheren Lagen angesiedelt wurden)
  • Campingplätzen, Freibad und anderen Freizeiteinrichtungen für das Zweirad verbinden
  • ein klares Bekenntnis zu nachhaltigem Verkehr durch das Fahrrad – „fahrradfreundliche Stadt“


Wie gut sollte er ausgebaut werden

Es stellt sich die Frage, ob ein paar kleine „Schönheitsoperationen“ hier und da reichen, um Fahrradfahrende zufrieden stellen zu können. Sieht man sich die Ziele an, so wäre das zu wenig.

  • er wird alle bereits bestehenden Radwege verknüpfen
  • er befindet sich im Bereich mit der höchsten Bevölkerungsdichte
  • er kann Menschen zum Umsteigen von Auto auf Rad animieren
  • er kann „alltagstauglich“ eine Vielzahl von Einkauf-, Arbeits- und Schulwegen per Fahrrad ermöglichn
  • er soll dem großen Trend zur Fahrrad- und e-bike-Mobilität gewachsen sein
  • er soll die Fahrradfreundlichkeit als selbstverständliche Ausdruck einer vitalen Stadt zum Ausdruck bringen können
Innerstädtische Radwege – für weitere Beispielbilder bitte Foto anklicken

Wer sind die Radfahrenden?

„Ich habe da keine Probleme“, sagt der selbstbewusste, mit allen Wassern gewaschene Kampfradler…

Wir müssen uns aber vor Augen führen, dass diese Gruppe eine sehr kleine ist. Jeder von Fahrrädern befahrene Verkehrsweg muss für die gesamte Bevölkerung akzeptabel nutzbar sein. Das ist aktuell nicht der Fall! Sie werden gegenüber anderen derzeit benachteiligt:

  • Kinder und Jugendliche
  • Ältere Personen mit leichten körperlichen Einschränkungen
  • Familien als fahrradfahrende Gruppe
  • Radfahrende mit bepackten Satteltaschen
  • sehr defensiv orientierte (ängstliche) Radfahrer
  • Ortsunkundige
  • gesetzestreue Verkehrsteilnehmer, die z.B. nicht illegal auf Fußgängerwegen fahren möchten

Die zuständigen Verkehrsträger haben die Pflicht, eine gefahrlose Radnutzung für alle in ihren Wegeplan einzuarbeiten.

Aktuell missachten Fahrradfahrende geltende Verkehrsregeln – unter Duldung der Polizei – um Gefahren für Leib und Leben abzuwenden.

Sie fahren:

  • über Fußgängerampeln (wegen fehlender Fahrradampel)
  • auf Fußgängerwegen (aus Platzmangel zum KFZ-Verkehr)
  • entgegen der Verkehrsrichtung (zweiter Fahrradstreifen fehlt)

Das muss ein Ende haben.

Anfang und Ende

Schaut man auf die bestehenden Wege, so gibt es da – unabhängig von der Anzahl der Umsetzungsabschnitte – zwei Stellen, die als Start- und Ziel in Betracht kommen..

Als erste das „Fahrradkreuz Hafen“. Es ist – natürlich – noch nicht entsprechend ausgebaut. An der Ecke Weserstraße/Zollweg treffen Uffeln, Hafen und Innenstadt zusammen. Ausserdem würde die Anbindung nach Kalldorf/Erder dort starten – so es sie gäbe.

hier geht es nach Uffeln, nach Kalldorf, an die Weser, in die Innenstadt..

Der zweite Punkt liegt am desaströsen Fahrradweg-Ende „Am Ellernberg“. Dieser schöne Weg zwischen Valdorf und Industriegebiet/Exter ist die südwestlichste große Radverbindung ohne Anbindung. Und zur Umsetzung der o.g. Ziele (Industriegebiet etc.) wichtig.

Die Wegquerung am Ellernberg noch in weiter Ferne zu erahnen.

Streckenführung

Versucht man, diese beiden Punkte zu verbinden, gibt es im Vlothoer Tal drei höhenbegleitende Varianten:

  • Klosterstraße – Lange Straße – Herforder Straße
  • L778
  • auf kleinen vorhandene Wegen am Bachverlauf entlang – soweit möglich

Sieht man das Gefahrenpotential der großen L778-Kreuzungen, scheidet diese Alternative aus. Die kleinen Wege z.B. zwischen Grundschule und Minskemarkt sind nicht breit genug ausbaubar und für den Gesamtverlauf zu kurz.

Bleibt praktisch nur die Variante Klosterstraße – Lange Straße – Herforder Straße


Vlotho zur „fahrradfreundlichen Stadt“ entwickeln!

Ein politischer Leitgedanke, der in der heutigen Zeit selbstverständlich sein sollte. Wenn man diesen als Ziel verankert, gehört eine bequem und sicher mit Fahrrad befahrbare Achse in Vlotho unbedingt dazu.

Laut Straßenverkehrsordung sollte ein Fahrradfahrender ja mit anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere PKW und LKW gleichgestellt sein. Das führt oft zum Fehlschluss, Radfahrende könnten sich alle Wegeverbindungen entspannt mit diesen teilen. Das Gefahrenpotential und die Uneinsichtigkeit von Pkw-Fahrern führt in der Regel aber dazu, das Fahrrad stehen zu lassen. Jeder Fahrradfahrer kann eigene Erfahrungen dazu beisteuern.

„Fahrradfreundlich“ – das ist das anzustrebende Stichwort. Ein großes Plus für Vlotho. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten!

Danke fürs lesen!

Jürgen Finkhäuser

Möchten Sie mehr darüber wissen – hier geht es detailliert weiter

Innenstadt Radweg – Bestandsaufnahme in Vlotho (bitte anklicken)

Informieren Sie sich über weitere Details der Route (bitte Bild anklicken)


Noch ein Anhang: Interessantes aus dem Netz zur Gestaltung

Im April 2018 fand eine Fachtagung des ADFC zum Thema „moderne Radverkehrsinfrastruktur“ statt. Auf der Infoseite gibt es eine Liste mit Medien zum Download. Darin finden sich einige Anregungen in den Folien der Vortragenden. Alle mit sehr unterschiedlichem Ansatz und Thema.

Wie sehen Radverkehrskonzepte aus? Beispiel Trier Radverkehrskonzept 2025 . Hier das Beispiel Rheda-Wiedenbrück. Alles sehr sperrig… . Nur nicht entmutigen lassen!

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